Redebeitrag: Denkmäler des Städischen Friedhofs Chemnitz

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, sehr geehrte Gäste,

Der Städtische Friedhof ist nicht nur Ruhestätte für viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer, sondern auch eine grüne Lunge, dient der Naherholung und ist Geschichtsbuch unserer Stadt. Dieses gilt es zu bewahren.

Der Städtische Friedhof ist ein bedeutendes Zeugnis der Entwicklung von Chemnitz von einem Dorf zu einer Großstadt. Auf Grund des Wachstums der Stadt wurde ab 1871 der Johannisfriedhof im Stadtzentrum aufgelöst und ein neuer Friedhof errichtet, der einer Großstadt gerecht werden sollte. Auch das erste Krematorium Sachsens wurde übrigens in Chemnitz errichtet. In dieser Zeit zogen auch viele Gräber vom Johannisfriedhof auf den neuen Friedhof um.

Etliche Persönlichkeiten unserer Stadt, insbesondere aus der Zeit der Industrialisierung sind hier bestattet. Beispielsweise Haubold, Hartmann, Reinecker oder Zimmermann. Nicht wenige dieser Grabanlagen sind  denkmalgeschützt und von kultur- und kunsthistorisch großer Bedeutung. Viele verborgene Schätze befinden sich dort, insbesondere die zahlreichen Plastiken. Zum Beispiel  auch eine  Figurengruppen von Johannes Schilling. Insgesamt gibt es rund 80 geschützte Familiengräber und Ehrendenkmale.

Etliche dieser Grabstellen sind vom Verfall bedroht. Häufig sind keine Erben mehr vorhanden, die die Gräber betreuen.

Derzeit besonders vom Verfall bedroht sind der Urnentempel, das Oppenheimgrab und das Grab Schwalbe. Wenn nicht schnell etwas unternommen wird, sind sie unwiederbringlich verloren. Um diesen Verfall zu stoppen haben die Stadtratsfraktionen von Linken und Grünen diesen Antrag eingebracht.

Der Friedhofsbetrieb ist nicht in der Lage die historischen Gräber aus eigenen Mitteln zu erhalten. Diese Aufwendungen sind nicht auf die Gebühren umlegbar. Daher kann eine Sicherung, Sanierung und Pflege nur durch Mittel des Eigentümers, der Stadt Chemnitz erfolgen.

Alle anderen Friedhöfe der Stadt können jederzeit für die Sicherung und Restaurierung von bedeutenden Grabmalen Geld aus der kommunalen Denkmalpflege beantragen. Um auch diesen Friedhöfen noch bessere Möglichkeiten einzuräumen, könnte man die Gelder für die kommunale Denkmalpflege im Doppelhaushalt 2019/ 20 weiter erhöhen und nochmals explizied auf diese Möglichkeit hinweisen.

Die einzigen Mittel, die der Friedhof von der Stadt erhält, sind für die Pflege der Grünanlagen bestimmt. Dieses Geld wurde in EKKO-Zeiten von einstmals 127.000 EURO im Jahr 2002 auf 30.000 EURO im JAHR 2013 gekürzt und zu diesen Grünanlagen gehören eben auch die nicht mehr benutzten Gräber.

Man muss sich auch noch mal verdeutlichen, dass der städtische Friedhof hat eine Größe von ca. 40 ha. hat. Also von ca. 40 Fußballfeldern. Die Betreuung ist eine spannende, aber auch wirklich große Aufgabe.

Und dem sollte auch die Stadt Chemnitz als Eigentümer gerecht werden und ein tragfähiges Konzept für denkmalpflegerische Maßnahmen und ein Informationssystem für ihr Eigentum erstellen.

Warum nun ein Programm über 10 Jahre und nicht gleich alles auf einmal. Das ist nicht nur Sache des Geldes. Die Sanierung der Gräber muss denkmalpflegerisch begleitet werden. Aber es gibt auch einfach nicht genug Steinmetze. Diese brauchen Zeit, um den Bestand auszubessern und fehlende Teile nachzuarbeiten.

Wir bauen dabei auf eine breite Unterstützung durch den Chemnitzer Stadtrat und auch auf Chemnitzer Firmen, Privatpersonen und Vereine, die durch Grabpatenschaften das Sanierungsprogramm finanziell und ideell unterstützen.

Und es gibt in Hamburg eine weitere gute Konzeptidee alte Gräber an neue Bürger zu übertragen. Diese können in Absprache mit der Denkmalpflege die Grabstätten selbst nutzen, müssen sich aber im Gegenzug diese Gräber sanieren und pflegen.

Wir hoffen auf Annahme unseres Antrags.

Danke

Rede von Thomas Lehmann zur Stadtratssitzung, 08.11.2017

 

 

 

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