Chemnitzer GRÜNEN-Europakandidatin im Gespräch: Anna Cavazzini

Anna, du bist u.a. die bündnisgrüne Europaratskandidatin für Sachsen. Was macht für dich unsere GRÜNE Partei aus?
Die Grünen kümmern sich darum, dass unsere Erde auch noch für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Klimawandel, der Raubbau an der Natur, das sind wichtige Gründe für mich, warum ich angefangen habe Politik zu machen.

Außerdem eint uns Grüne ein emanzipatorischer Politikansatz. Der Mensch mit seiner Würde und die freie Entfaltung stehen im Mittelpunkt unserer Politik – dabei ist es wichtig, den Rahmen so zu setzen, dass Chancengleicheit herrscht und eben die nächsten Generationen mit berücksichtigt werden. Und natürlich sind die Grünen DIE Europapartei!

Welche Herausforderungen siehst du – für Dich, die Politik und die Partei?
Wir haben in den letzten Jahren schon richtig viel erreicht – als Gesellschaft. Die Energiewende wurde eingeleitet. Das Staatsbürgerschaftsrecht modernisiert. Frauenrechte gestärkt. Manchmal habe ich trotzdem das Gefühl, der Wandel geht zu langsam. Die wissenschaftlichen Zahlen sagen, dass wir noch viel mehr tun müssen beim Klimawandel. Deshalb gehen ja auch gerade die Schüler*innen freitags auf die Straße und streiken für ihre Zukunft.

Wie kann der notwendige Wandel zusammen mit der gesamten Gesellschaft gelingen?
Das ist eine wichtige Herausforderung. Große Sorgen macht mir der Backlash, der in manchen Teilen der Gesellschaften in Europa zu beobachten ist. Frauen wieder an den Herd. Europa zerstören und einen riesigen Zaun um die EU zu bauen. Den Klimawandel leugnen. Diesem Backlash müssen wir uns entschieden entgegen stellen.  Und gleichzeitig überlegen, wie wir noch mehr Menschen für unsere Ideen begeistern und Mut machen. Ich versuche gerade im Europawahlkampf dafür zu werben, dass wir nur innerhalb der EU die großen Herausforderungen der Zeit angehen können und dass „take back control“ die Losung von den Brexiteers, heute nicht mehr funktioniert.

Welche weiteren Themen sind aus deiner Sicht von Bedeutung?
Auch durch meinen beruflichen Hintergrund bei Brot für die Welt und bei der UNO beschäftigt mich das Thema Globale Gerechtigkeit sehr. Immer noch leben viel zu viele Menschen in Armut, immer noch werden Frauenrechte in vielen Teilen der Welt mit den Füßen getreten. Und auch hier zeigt die Hyperglobalisierung negative Folgen, z.B. wächst die Ungleichheit in vielen europäischen Ländern. Ich möchte, dass die großen globalen Unternehmen wie alle anderen auch ihre Steuern zahlen, dass sie Verantwortung übernehmen für Menschenrechtsverletzungen und dass wir globale Umwelt- und Sozialstandards durchsetzen. Auch dafür werde ich mich im Europaparlament einsetzen.

Wie können wir zusammen mehr Frauen für (unsere) Politik begeistern?
Politik ist bei den meisten Parteien sehr männerdominiert. Bei den Grünen sind wir schon einen kleinen Schritt weiter durch unsere Quotenregelung und eine explizite Politik zur Förderung von Frauen. Das alleine ist für Frauen schon attraktiver als sich konservativen „Männerbünden“ anzuschließen. Aber auch bei uns gibt es noch viel zu tun. Politik sollte nicht nur abends und an den Wochenenden stattfinden. Es muss Mechanismen geben, dass sich nicht nur die Lauten und die „Selbstdarsteller“ in Treffen und Sitzungen präsentieren können, z.B. durch klare Redezeitbegrenzungen. Ich habe gute Erfahrung mit Mentoring-Programmen gemacht. Oft reicht es, dass man sich, 2-3 mal mit einer „erfahrerenen“ Politikerin trifft und ein paar Tipps bekommt. Niedrigschwellige Aktionsagebote statt langer Sitzungen können auch eine Lösung sein.

Du kennst Chemnitz und die TU schon aus Studierendenzeiten. Was magst du an Chemnitz?
Ich habe sehr positive Erinnerungen an meine Studizeit in Chemnitz. Durch die kleine Uni hatten wir einen sehr guten Betreuungsschlüssel und einen engen Zusammenhalt innerhalb des Studiengangs. Chemnitz hat eine sehr feine grün-alternative-künstlerische Szene und dann ist es auch toll, dass man sich kennt. Überhaupt gibt es ein immenses Kulturangebot wenn man sich die Größe der Stadt anschaut. Die Natur um Chemnitz herum ist beeindruckend. Auch wenn es viele Herausforderungen in der Stadt gibt, so ist es doch eine sehr lebenswerte Stadt.

Welche politischen und persönlichen Wünsche hast du?
Erstmal freue ich mich auf den Europawahlkampf und ich hoffe, dass ganz viele Grüne in Sachsen mitmachen. Man spürt jetzt schon überall die Aufbruchsstimmung und das freut mich. Das ist auch eine gute Einstimmung auf die Landtagswahlen, die in diesem Jahr ja auch noch anstehen. Bei allen drei Wahlen in diesem Jahr in Sachsen wünsche ich mir, dass die Menschen Zukunft, Klimaschutz und Europa wählen. Ich hoffe, dass ich ab Juli die Themen und Ideen der Menschen in Sachsen ein Stück weit im Europaparlament einbringen kann.

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