Was passiert eigentlich mit dem Joghurtbecher, nachdem wir diesen ordnungsgemäß in die gelbe Tonne vor unserem Haus geworfen haben? Glaubt man Gerüchten, dann werden die Inhalte der gelben und der schwarzen Tonne heimlich zusammengeschüttet und in der nächstgelegenen Müllverbrennung „thermisch verwertet“. Wir wollten das genauer wissen und sind dem Abfall hinterhergefahren. 139 km von Chemnitz in der Nähe von Halle befindet sich die Sortieranlage für Leichtverpackungen in Landsberg (Oppin), Sachsen-Anhalt. Dort werden auch gelbe Tonnen aus Chemnitz sortiert.
Ein engagiertes Team aus Mitarbeitern von PreZero zeigte uns, wie Mülltrennung funktioniert. Am Standort Oppin werden derzeit jährlich ca. 120.000 Tonnen Verpackungsmaterial sortiert. Prinzipiell können die angelieferten Abfälle in 18 Sortierprodukte („Fraktionen“) differenziert werden. Aktuell werden zwölf Fraktionen sortiert, darunter als eine der wertvollsten Gruppen auch Aluminium. Aluminium wird bei einer Firma in Freiberg durch Pyrolyse zu Aluminium-Chips verarbeitet. Gegenüber der Herstellung von Aluminium aus Bauxit spart man so etwa 90% an Energie.
Etwa 30% des Ausgangsmaterials besteht aus Fehlwürfen, also Abfällen, die kein Verpackungsmaterial (wie etwa Elektronik) oder das falsche Verpackungsmaterial sind (wie etwa Papier). Den Mitarbeitenden ist nichts Menschliches fremd. Alles Denkbare und Undenkbare landet in der gelben Tonne. Besonders problematisch sind Lithiumakkus, die regelmäßig zu Bränden in der Anlage führen. Dies hat auch schon zur Zerstörung von Teilen der Sortieranlage geführt. 2011 fiel in Porta Westfalica sogar eine andere Sortieranlage von PreZero einem Brand komplett zum Opfer.
Ein Teil des Materials wird von Hand nachsortiert. Dabei kommt es manchmal auch zu Verletzungen, z.B. durch Angelhaken, die natürlich auch nichts im Recyclingabfall zu suchen haben.
Stoffe, die nicht ausreichend sauber getrennt werden können, landen wie anderer Haushaltsabfall in der Müllverbrennung – in diesem Fall in Bernburg. Es wurde uns jedoch dargestellt, dass die Firma PreZero an einem möglichst großen Anteil einer stofflichen Verwertung interessiert ist und sich bemüht, die Prozesse zu verbessern, auch um so die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen.
Ein wichtiges Endprodukt der Sortierung ist Ersatzbrennstoff (EBS), der in Zementwerken verwendet wird und dort ca. 35% Öl oder Gas einspart.
Verbundverpackungen, wie TetraPaks sind problematisch und werden an spezielle Sortieranlagen weitergereicht.
Warum muss der Abfall aus Chemnitz eigentlich erst bis Sachsen-Anhalt fahren, um sortiert zu werden? Eine neue Sortieranlage würde mindestens 80 Millionen € kosten. Das lohnt sich nur, wenn die Anlage eine ausreichende Größe hat und dann auch ausgelastet wird. Und natürlich wird mit der Sortierung auch Geld verdient. Genaue Angaben haben wir nicht, aber es ist wohl so, dass nur ein Teil der Einnahmen aus der Weiterverwertung der Stoffe stammt. Der andere Teil besteht aus Lizenzgebühren, die von den Verpackungsherstellern und somit letztlich von den Käufer*innen bezahlt werden.
Die Arbeitsbedingungen in Oppin wären ein Thema für sich. Gut riecht es in so einer Anlage natürlich nicht.
Und auch einen weiteren praktischen Hinweis haben wir mitgenommen: Während beim Altglas der Deckel drauf bleiben darf, lohnt es sich, den Deckel vom Joghurtbecher zu trennen, um eine bessere Sortierung zu ermöglichen und die Stoffe vor der Verbrennung zu retten. Überhaupt wird bei diesem Prozess immer noch sehr viel verbrannt. Um das zu ändern, müsste man am Anfang beginnen mit dem Design und der Herstellung der Verpackungen, oder noch besser mit der Vermeidung oder dem Einsatz von Pfandsystemen.
















