BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Kreisverband Chemnitz

Grün im Wald: Ausflug der AG Altgrün in den gefährdeten Hangwald in Lichtenwalde

11.7.2026: Neun Interessierte aus dem Umfeld der Chemnitzer Grünen machen sich auf den Weg nach Lichtenwalde. Dort erfahren sie mehr über eine beeindruckendes Beispiel von Wirksamkeit. Gemeinsame Aktionen von Bürgerinnen und Bürgern konnten verhindern, dass kommerzielle Interessen Einzelner und die Untätigkeit der zuständigen Behörden zur unwiederbringlichen Zerstörung eines Naturraumes geführt hätten.

Lutz Röder ist Mitglied beim NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) und in der Bürgerinitiative „Kahlschlag in Lichtenwalde stoppen“. Er begleitet die Gruppe in den Hangwald und zeigt die Narben im Wald. Diese entstanden, bevor dort 2023 begonnen Baumfällungen gestoppt werden konnten. 

Doch der Reihe nach: 2021 kaufte der bayrische Unternehmer Jungbeck, auch Besitzer einer Schreinerei, 60 ha Wald in Lichtenwalde für 600.000,-€. Natürlich hat er ein Interesse an der Nutzung des Holzes.

Bei dem Wald handelt es sich aber um ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet). Das ist ein auf europäischer Ebene registriertes Naturschutzgebiet. Der Freistaat Sachsen hat 270 solcher FFH-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 168.665 ha (9,16 % der Landesfläche). Für Arbeiten in solchen Gebieten sind Genehmigungen erforderlich, die in der Regel auch Verträglichkeitsgutachten voraussetzen.

Der Wald am Hang ist besonders wichtig zur Vermeidung von Bodenerosion. Und der Mischwaldbestand mit zum Teil sehr alten Bäume ist für viele Arten ein wichtiger Lebensraum im Zschopautal.

Bereits 2022 wurden Baumfällungen durchgeführt, im April 2023 sogar ein Kahlschlag auf 4 ha.

Genehmigung der EU hierzu wurden nicht eingeholt, sondern in Überschreitung seiner Kompetenzen vom Landkreis erteilt. Man kann nur mutmaßen, aus welchen Gründen die Verwaltung Naturschutzinteressen nicht berücksichtigt und geltendes Recht ignoriert hat.

Lutz Röder berichtete von dramatischen Szenen. Um die Fällungen zu stoppen, war es notwendig, die Polizei zu rufen.

Das Verhalten des Landratsamtes zu diesen Vorgängen war mehr als merkwürdig. Bei einem Gesprächstermin zwischen Landrat und Mitgliedern der Bürgerinitiative beispielsweise fanden zur gleichen Zeit Arbeiten statt, bei denen Bäume zur Fällung markiert wurden.

Schließlich aber wurden die Arbeiten gestoppt. Die Landdirektion fordert jetzt  eine FFH-Verträglichkeitsprüfung.

Der Waldbesitzer hat offenbar kein Interesse an der Prüfung, die dazu führen würde, dass er mit Auflagen belegt wird. Er liefert deswegen nicht die für das Gutachten erforderlichen Informationen.

So wächst allmählich Gras über die Sache – genauer gesagt ist die Fahrspur der Harvester inzwischen durch Brombeerranken versperrt. Und auf der Kahlschlagsfläche kämpfen sich Baumsprösslinge ans Licht. An den Baumrinden älterer Bäume verheilen langsam die Schäden, die von Stahlseilen herrühren, mit denen der Harvester den Hang hinaufgezogen wurde. Die Markierungspunkte zur Fällung auf den mindestens 150jährigen Bäumen sind noch nicht verblasst.

Die Bürgerinitiative verfolgt weiterhin die Entwicklungen. Denkbar wäre, dass die Fläche irgendwann zurückgekauft und vom sächsischen Staatsforst weiter bewirtschaftet wird.

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