Stadtentwicklung: Stärkung der Mitte

Demographischer Wandel, Klimaveränderungen, Verknappung fossiler Brennstoffe und die Einnahmesituation im Stadthaushalt schaffen neue Bedingungen für das Zusammenleben in der Stadt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen auch unter diesen Bedingungen bezahlbares Wohnen und gutes Leben in Chemnitz ermöglichen. Deshalb setzen wir auf einen Wechsel hin zu kompakten energie- und ressourceneffizienten Siedlungsstrukturen und Gebäuden.

Die urbanisierte Fläche der Stadt Chemnitz ist – gemessen an der Zahl der EinwohnerInnen – viel zu groß. Dieses Missverhältnis führt zu immer höheren Kostenbelastungen für Stadthaushalt und Bevölkerung. Erstmals seit vielen Jahren stabilisierte sich in den letzten 3 Jahren die EinwohnerInnenzahl mit einem leichten Zuwanderungssaldo. Chemnitz profitiert zwar noch nicht in dem Umfang wie Leipzig oder Dresden vom Zuzug in die Ballungsräume – langfristig wird jedoch auch Chemnitz diese Entwicklung haben. Die bisher erreichten Ergebnisse im Stadtumbau bieten gute Chancen, sowohl im urbanen Zentrum mit den angrenzenden Gründerzeitvierteln als auch entlang der bestehenden Siedlungsachsen Wohnen, Arbeit, Bildung und Freizeit weiter zu entwickeln.

Auch wenn die kompakte und verdichtete Stadt weiter unser Ziel bleibt, zeigen doch neue Entwicklungen im Bereich dezentraler Infrastruktur, dass in den Stadtteilen mit vorwiegend industriellem Wohnungsbau Potential vorhanden ist, ökologisches und ökonomisches Handeln zum Nutzen der Stadt und ihrer Gesellschaft miteinander zu verbinden. Blockheizkraftwerke, energetische Sanierung, altersgerechtes Wohnen, Siedlungswohnungsbau auf durch Abriss frei gewordenen Flächen oder die Integration von geschlossenen Wasserkreisläufen in naturnahe Stadtteilparks bringen neue Perspektiven für bisher benachteiligte Stadtteile. Auch diese Entwicklung wollen wir unterstützen.

In Chemnitz sollen sich alle Menschen wohl fühlen. Der notwendige Umbau gelingt, wenn dieser unter Einbeziehung der Öffentlichkeit erfolgt. Die Ziele sind dabei: eine Stadt der kurzen Wege, bezahlbarer und ökologischer Wohnraum, lebenswerte Quartiere und Stadtteile sowie eine Urbanität mit Kultur, Sport und Lebendigkeit.

Der Wohnungsneubau soll auf vorhandene Siedlungsachsen konzentriert werden. Siedlungswohnungsbau soll vorrangig in bereits erschlossenen Gebieten erfolgen. Ein Rückbau von Wohngebäuden des industriellen Wohnungsbaus muss vom Rand hin zu den Siedlungsachsen und Bereichen mit sozialer Infrastruktur erfolgen. Die Erhaltung der gründerzeitlichen Bebauung hat absoluten Vorrang, da sie stadtbildprägend ist. Städtebaufördermittel müssen konsequent für die frühzeitige bauliche Sicherung bedrohter Gebäude statt für Straßensperrungen und Abrisse ausgegeben werden. Zudem sollten Fördermittel mehr als bisher genutzt werden, um Investoren für ungenutzte Gebäude in Sanierungsgebieten zu finden.

Eine Ausdünnung der großen Neubaugebiete der 70er und 80er Jahre unter Zurücklassung einer überdimensionierten und kostspieligen Infrastruktur ist nicht zielführend. Ein Teilrückbau von Wohnhäusern ist meist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Die städtische Siedlungsstruktur der Gründerzeit ist geprägt durch eine Blockrandbebauung. Neubauten sollen dieser Blockbebauung folgen und sich dieser in ihrem städtebaulichen Erscheinungsbild anpassen. Vorrangig sollen Lücken geschlossen werden. Begrünte Innenhöfe sind von Parkplätzen frei zu halten. Wir unterstützen das 2011 vom Stadtrat beschlossene Siedlungswohnungsbaukonzept.

Die Innenstadt braucht eine lebendige Mischung aus Wohnen, Handel und Gewerbe. Brachliegende innerstädtische und innenstadtnahe Flächen müssen vorrangig vermarktet werden. Statt einer Konzentration auf große Investoren, setzen wir uns für die Schaffung städtebaulicher Randbedingungen und eine kleinteilige Vermarktung ein, die auch bürgerschaftlich beteiligtes Bauen ermöglicht. Der Getreidemarkt soll zu einem Modellquartier werden.

Das Kuratorium Stadtgestaltung hat viele gute Ideen für Chemnitz entwickelt, die externen Sachverstand in die Stadtentwicklung einbrachten. Die Vorschläge des Kuratoriums Stadtgestaltung und seiner Folgegremien sind bei städtischen Planungen zu berücksichtigen. Wir setzen uns dafür ein, dass anspruchsvolle Entwürfe für künftige Stadtentwicklungs- und Bauprojekte eingefordert werden.

Neue Handels- und Gewerbeflächen sollen vorrangig auf innerstädtischen Industriebrachen ausgewiesen werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Schätze der Industriekultur in Chemnitz stärker geachtet werden. Historische Industriebebauung, die stadtbildprägend ist, soll deshalb weitestmöglich erhalten und neuen Nutzungen zugeführt werden. Der großflächige Einzelhandel am Stadtrand muss reduziert werden. Wir unterstützen das Anliegen des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes der Stadt ausdrücklich.

Ein Großteil der Studierenden der TU Chemnitz wohnt derzeit wegen der räumlichen Nähe zur Universität in Bernsdorf. So ist fast nur dort studentisches Leben anzutreffen. Wir wollen, dass in der ganzen Stadt der studentische Charakter von Chemnitz erkennbar wird und die klare Trennung zwischen Bernsdorf und allen andern Stadtvierteln verwischt. Daher fordern wir die GGG auf, sich bei der Bereitstellung von auf Studierende ausgerichtete Wohnungen nicht nur auf Bernsdorf, sondern auch auf andere Stadtviertel, zu konzentrieren. Zudem soll mit dem Bau der neuen Universitätsbibliothek gleichzeitig Wohnraum für Studierende in der Innenstadt und auf dem Brühl geschaffen werden.

Im Stadtrat setzen wir uns dafür ein, dass

  •  der Wohnungsneubau auf vorhandene Siedlungsachsen konzentriert wird
  • neue Handels- und Gewerbeflächen vorrangig auf innerstädtischen Industriebrachen ausgewiesen werden und die historische Industriebebauung nachgenutzt wird
  • alternative (Wohn-) Projekte, wie Wächterhäuser, Mehrgenerationenwohnen und Bauherrschafts-Gemeinschaften stärker unterstützt und gefördert werden
  • innerstädtische und innenstadtnahe Flächen im städtischen Besitz zügig kleinteilig vermarktet werden, um bürgerschaftlich beteiligtes Bauen zu ermöglichen