Wirtschaft und Universität: Kreativität fördern

Unternehmen der verarbeitenden Industrie, des Maschinen- und Fahrzeugbaus sind in Chemnitz etabliert und wirtschaftlich stabil. Basierend auf einer dynamischen Forschungslandschaft mit dem Bundesexzellencluster MERGE in Kombination mit mehr als hundertjähriger Tradition kann sich in Chemnitz auch wieder eine innovative Textilindustrie entwickeln.

Weitgehend unbemerkt hat sich in Chemnitz in etwa 5.000 Unternehmen auch eine lebendige Kultur- und Kreativwirtschaft entwickelt. Die Kultur- und Kreativwirtschaft gilt seit jeher als Impulsgeber für Arbeit, Wohlstand und Schönheit. Ihr Kapital ist das Wissen und die Kreativität ihrer Mitarbeitenden. Mit einer intensiven Förderung könnte diese wachsende Branche in den kommenden Jahren weitere gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und Kreative nach Chemnitz locken. Chemnitz bietet dafür einzigartige Voraussetzungen. Kaum irgendwo in Deutschland gibt es so viele Freiräume, in denen sich kreative Unternehmen ansiedeln können. Bestehende Infrastruktur könnte damit nachhaltig genutzt werden. Nötig dafür ist, in der Stadt ein Klima der Offenheit und der Flexibilität zu schaffen und Kultur- und Kreativschaffende aktiv zu unterstützen.

Der Mangel an Fachkräften wird in den kommenden Jahren auch in Chemnitz spürbar werden. Wenn Chemnitz als Wohn- und Lebensort attraktiver wird, gelingt es den Unternehmen leichter, Fachkräfte nach Chemnitz zu holen. Bedarfsgerechte Kita-Plätze und gute Schulen, eine Top-Uni, Institute und Forschungseinrichtungen, eine spannende und vielfältige Kunstszene, saubere Umwelt und gute Mobilitätsangebote auch für Menschen ohne Auto, ein Klima der Weltoffenheit und Toleranz in Chemnitz – kurzum: für eine hohe Lebensqualität zu sorgen, ist das Beste, was Verwaltung und Politik für eine prosperierende Wirtschaft tun können. Um Fachkräfte, nicht nur aus dem Ausland, in die Stadt zu locken, muss in Chemnitz eine Willkommenskultur entstehen.

Die Technische Universität Chemnitz bildet die Fachkräfte von morgen aus. Studierende der Universität bringen gleichzeitig junges Leben in die Stadt. Stadt und Universität müssen die Stärken der Stadt, nämlich ein guter Wohnungsmarkt, günstige Lebenshaltungskosten, Freiräume zum Gestalten aber auch eine lebendige Kulturszene, besser vermitteln, um mehr junge Menschen für Chemnitz zu begeistern. Gleichzeitig müssen mehr Anstrengungen unternommen werden, um vor allem die AbsolventInnen der Universität aus den nicht technischen Fächern in der Stadt zu halten. Insbesondere eine starke Kultur- und Kreativwirtschaft kann hier neue und interessante Möglichkeiten schaffen.

Neue Arbeitsfelder benötigen oftmals neue Standorte. Die Gewerbegebiete sind gut gefüllt. Um wieder aktive Ansiedlungspolitik betreiben zu können, müssen neue Gewerbestandorte in Chemnitz vor allem auf Brachflächen und durch Nachnutzung historischer Industriebauten in Chemnitz ausgewiesen werden. Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft siedeln sich sogar bevorzugt in historischen Industriebauten an. Für Chemnitz ergibt sich hieraus die riesige Chance, die leerstehende Infrastruktur der „Industriekultur“ wiederzubeleben anstatt sie abzutragen. Dafür wird jedoch eine aktive Unterstützung seitens der Stadt von Nöten sein.

Zentrales Kriterium für städtische Subventionen bei Gewerbeansiedlungen muss die nachprüfbare Schaffung von auf Dauer angelegten Arbeitsplätzen bleiben. Chemnitzer UnternehmerInnen oder solche, die es werden wollen, müssen verlässliche Ansprechpartner in der Stadt haben. Eine neu zu schaffende Stabsstelle bei der Oberbürgermeisterin kann dies sicherlich besser leisten als die jetzige CWE.

Im Stadtrat setzen wir uns dafür ein, dass

  • Konzepte entstehen, wie Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft bei der Nachnutzung historischer Industriebauten aktiv unterstützt werden
  • neue Gewerbestandorte vor allem auf den zahlreichen innerstädtischen Brachflächen entstehen
  • die Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft so aufgestellt wird, dass sie zu einem verlässlichen Ansprechpartner existierender wie künftiger Unternehmen wird