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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Kreisverband Chemnitz

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Beschluss: Bürgerwindanlage für Chemnitz

Ein großes Windrad als Bürgerbeteiligungsmodell, ähnlich wie die Bürger-Solaranlagen, schlägt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Chemnitz der EINS vor. Als ein neues Wahrzeichen für Chemitz, statt dass nur der Schornstein der Braunkohleverstromung von weitem sichtbar ist. Hier der Beschluss:

 

Beschluss der Mitgliederversammlung
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Chemnitz vom 6.2.2012
Antrag: „Bürgerwindanlage im Umfeld der Deponie am Weißen Weg“
Antragsteller: Reiner Amme, Stadtvorstand
Bürgerwindanlage im Umfeld der Deponie am Weißen Weg
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schlagen dem Energieunternehmen eins vor, eine große
Windkraftanlage der neuesten Bauklasse im Bereich von 3 – 7,5 MW Nennleistung als
Beteiligungsmodell für Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger zu errichten. Im Rahmen
der von der Stadt geplanten Potenzialanalyse für „Konzentrationszonen Windkraftanlagen“
im Stadtgebiet soll dafür das Umfeld des Deponiekörpers am Weißen Weg als
Eignungsfläche untersucht werden.
Begründung:
Mit der Errichtung einer großen Anlage über ein Beteiligungsmodell können verschiedene
Ziele erreicht werden: Bürger machen Energie und leisten so selbst einen Beitrag zu
Klimaschutz und mehr Wertschöpfung vor Ort. Investition in Windenergie ist zudem
eine sinnvolle, sichere und krisenfeste Geldanlage. Eine moderne Anlage der neuesten
Generation wäre zudem ein weithin sichtbares Symbol für die moderne Energiewendestadt
Chemnitz.
1. Bürger machen Energie
Während sich Bewohnern in ländlichen Siedlungsstrukturen eine Vielzahl an Möglichkeiten
bietet, im oder am eigenem Haus- und Grundstück von den Chancen der Energiewende
zu profitieren, reicht die Auswahl für Mieter im urbanen Umfeld lediglich vom
Wechsel des Stromtarifes bzw. -anbieters bis zur schwierigen Einflussnahme auf die
Strategie der jeweiligen Vermieter zur Betriebskostensenkung. Eine Beteiligung an einer
Anlage im Bereich der Erneuerbaren Energien böte diesen Chemnitzerinnen und Chemnitzer
die Möglichkeit, direkt an der Energiewende vor Ort mitzuwirken und davon zu
profitieren.
2. Beitrag zum Klimaschutz durch die Erzeugung umweltfreundlicher Energie
Wachsende Proteste in Politik und Bevölkerung sowohl gegen Atomkraftwerke als auch
den Neubau von Kohlekraftwerken oder die Lagerung von Kohlendioxid unter der Erdoberfläche
zeigen, wie dringend der Umbau in eine Energiewirtschaft in Richtung 100
Prozent Erneuerbarer Energien ist. Bis zum Jahr 2020 soll in der Bundesrepublik
Deutschland der Kohlendioxid-Ausstoß um 40 Prozent gesenkt werden. Dies kann
durch Effizienzsteigerungen bei der Energiewandlung, beim Verbrauch und durch den
Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden. Die Stadt Chemnitz hat sich auf
dem Weg dahin selbst verpflichtet, den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent
zu reduzieren und so eine Halbierung der Pro-Kopf-Emissionen (Basisjahr 1990) bis spätestens
2030 zu erreichen. Die Erzeugung umweltfreundlicher Energie spielt bei dieser
Reduktionsstrategie eine zentrale Rolle. Mit der Beteiligung an einer Windenergieanlage
erhält jede Chemnitzerinnen und jeder Chemnitzer die Möglichkeit, einen unmittelbaren
Beitrag zur Reduktion der Pro-Kopf-Emissionen zu leisten.
3. Beitrag zur Wertschöpfung und Akzeptanzerhöhung vor Ort
Eine Bürgerwindanlage hilft nicht nur dem Klimaschutz, sie bedeutet auch Wertschöpfung
vor Ort. Ob Planung durch ein regionales Planungsbüro, Errichtung durch regionale
Unternehmen, Finanzierung über regionale Banken, Erzielung einer angemessenen
Rendite für die beteiligten Bürgerinnen und Bürger oder Sicherung von Arbeitsplätzen
bei Service und Wartung – die Ansätze lokaler Wertschöpfung, die bei der Errichtung
und dem Betrieb einer Bürgerwindanlage entstehen, sind sehr vielfältig. Eine direkte
Beteiligungsmöglichkeit trägt zudem auch zur Erhöhung der Akzeptanz für Windenergieanlagen
in der Stadtbevölkerung bei.
4. Sinnvolle, sichere und krisenfeste Geldanlage
Die Schuldenkrise in Europa verunsichert auch viele Kleinanleger in Chemnitz. „Was
wird aus meinen Ersparnissen? Soll ich sie wirklich auf der Bank liegen lassen, um sie für
die Enkel zu sichern?“ Investitionen in einer Energieanlage rentieren sich auf jeden Fall,
dass Geld verfällt nicht, denn Strom wird immer gebraucht. Abhängig von der eingesetzten
Technik, den Rahmenbedingungen und dem Betreibermodell variieren die Erträge
aus einer Windenergieanlage. Ein Betreibermodell über ein regionales Energieversorgungsunternehmen
wie die eins energie in sachsen GmbH ermöglicht eine stabile Abwicklung
der Investition, Finanzierung und späteren Betriebsführung. Damit erhält das
Unternehmen nicht nur eine weitere Möglichkeit, sein Engagement für den Ausbau Erneuerbarer
Energien unter Beweis zu stellen, sondern kann mit derartigen Beteiligungsmodellen
regionales Vertrauen und Kundenbindung stärken. Voraussetzung ist dabei
natürlich hohe Transparenz und eine vernünftige Rendite auch für Kleinanleger. So sollten
Anleihen schon ab einer Stückelung von 500 Euro für die Chemnitzerinnen und
Chemnitzer erwerbbar sein.
5. „Dort ist Chemnitz – dort ist unsere Windmühle!“
Bisher ist nur der Schornstein des Chemnitzer Braunkohlekraftwerkes von vielen Aussichtspunkten
im Erzgebirge und Umland als Chemnitzer Wahrzeichen identifizierbar.
Dieser Schornstein steht gleichermaßen als Symbol für die „alte“ fossile Energieversorgung.
Eine große, moderne Windkraftanlage auf einer markanten Höhenlage im Stadtgebiet
wäre ein weithin sichtbares Symbol für die moderne Energiewendestadt Chemnitz,
welches auch Möglichkeiten für lokale Identifikation bietet. Das Umfeld der Deponie
bietet sich als Standort nicht nur wegen der Topographie an, sondern auch, weil
kaum Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe vorhanden ist.

 

Hintergrund:

Wie auch die Freie Presse (S. 1 am 26. April 2012), berichtet, ist der Windkraftanteil in Brandenburg, wo viele Windräder stehen, innerhalb eines Jahres von 44 Prozent auf 73 Prozent gestiegen. Auch in Sachsen-Anhalt werden schon 76 Prozent erreicht. In Sachsen liegt der Anteil dagegen nur bei 23 Prozent (Vorjahr 20 Prozent). Mit der 2011 beschlossenen Energiewende soll bis 2050 der Strom komplett aus erneuerbarer Energie kommen. 

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